Ein Anti-Porno-Projekt des russischen Künstlers Ivan Brazhkin. Porno als Gegenstand der Kunst. Ich muss gestehen, ich habe etwas länger gebraucht, bis ich festgestellt habe, dass es sich bei den Bildern um eine Fotomontage handelt. Aber etwas befremdlich ist das ganze doch. Denn eine analytische Auseinandersetzung mit Brazhkins Arbeiten setzt einen kühlen, sachlichen Blick voraus, den unsere Gesellschaft in Bezug auf Pornografie noch lange nicht gewonnen hat und in absehbarer Zeit vermutlich auch nicht gewinnen wird.
Die Zeiten, in denen Geschlechter in eine Ordnung gezwungen wurden, scheinen sich endgültig dem Ende zu neigen. In unserer postmodernen Zeit ohnehin längst überfällig wie ich finde. Besonders beeindruckend an den Bildern der neuen RAD By Rad Hourani Linie, die dem kanadischen 'Jak & Jil'-Fotografen Tommy Ton enstammen, ist dass man im ersten Moment gar nicht weiß, ob es sich bei den androgynen Models um Mädchen oder Jungen handelt. So kreierte Hourani einen kantiger, dekonstruierter Unisexlook bestehend aus gefalteten und gelayerten Silhouetten. Ein herber Beigeschmack bleibt dennoch nicht aus, erinnert auch diese Linie vehement an Rick Owens, zumal dieser seine männlichen Models bereits im Rahmen der Herbst/Winter-Kollektion in hohen Absätzen über den Catwalk jagte.
Regisseur Jonathan Glazer hat für The Dead Weather, die Kollaboration zwischen in erster Linie Jack White und Alison Mosshart von The Kills, ein Musikvideo zu 'Treat Me Like Your Mother' produziert, in dem sich die Protagonisten die Kugeln nur so um die Ohren ballern und dabei dennoch so unglaublich cool aussehen, dass ich beim Zusehen am liebsten im Erdboden versinken möchte. Die Gewehrsalven fliegen dabei im Takt zur Musik aus den Läufen ihrer halbautomatischen Waffen, die schweren schwarzen Lederjacken werden von Durchschusslöchern völlig durchsiebt.
Wenn Alison Mosshart auf ihren Bandkollegen abfeuert und ihr dabei die Haare über das Gesicht fliegen, ist das der pure Sex. Und weil ich auch so grundalternativ in düsterem Schwarz, postapokalyptischer Lederjacke und bedrohlichen Stiefeln rumrennen möchte, lass mich jetzt von den Hell's Angels adoptieren, damit meiner dramatischen Zukunft nichts mehr im Wege steht.
Schönheit kann man kaufen - zumindest in Hollywood. Kaum einer der Stars und Sternchen ist nicht geliftet, mit Silikon gepolstert oder per Spritze faltenfrei gezaubert. Ganz anders jedoch Youtube-Legende Julie Masking. Der gefeierte New Yorker Cabaret Performer und Undergroundstar verdankt sein Äußeres verblüffend realistisch wirkenden Latexfetischmasken. Seine Videos sind hypnotisierend, faszinierend und angsteinflößend zugleich.
Man hat fast den Eindruck 'my swag, my life - my life, my swag' der Göteburger Band JJ, würde von Minute zu Minute sphärischer und ausserirdischer werden und orientiert sich dabei deutlich dem Cocteau-Twins-Stil der neunziger Jahre, ganz ohne den sich manchmal einstellenden klebrig-esoterischen Entspannungsmusikbeigeschmack. Alles ist irgendwie so angenehm verwaschen, dekonturiert, verhallt. Sind das Stimmen, die wie von weit entfernten Fluren kommend klingen? Die fernen Chorfetzen bemalen das Klangbild ab und an mit zusätzlichen sakralisierenden Soundfarben. Dreampop at its best.
Für Numéro begibt sich Carmen Kass erneut auf den inzwischen legendären Nina Ricci-Heels in schwindelerregende Höhen. Diesmal geht sie jedoch noch einen Schritt weiter und beweist selbst auf einer Schaukel Standhaftigkeit. In letzter Zeit in fast jedem Editorial großer Modemagazine vertreten, dürften die Mörderplateaus ohne Absatz inzwischen zu den meist fotografiertesten Schuhen der Saison- wenn nicht sogar des Jahres gehören. Zu schade, dass der Vertrag mit dem stets etwas melancholisch wirkenden Oliver Theyskens nicht verlängert wurde, da man eine 'strategische Neuausrichtung' der Marke Nina Ricci anstrebe.
Der erste Tron-Film liegt nun genau 27 Jahre zurück und waren die tricktechnischen Sequenzen des ersten computeranimierten Films der Disney Studios damals ein Meilenstein - so sehen sie heute doch sehr nach 'Balkengraphik' aus. Der erste Teil handelt von einem Hacker, der in einen Computer transferiert wird und dort mit Hilfe des Programms 'Tron' versuchen muss, das mächtige Programm MCP auszuschalten. Ein Klassiker, obwohl es teilweise ziemlich schwer fällt der Handlung zu folgen und den 'Wettrennen' eine gewisse Spannung abzugewinnen, da das meiste heute doch recht experimentell wirkt.
Neue Lightcycle und ein komplett überarbeitetes Design. Disney hat nun zu Tron 2, der offiziellen Fortsetzung, die irgendwann 2011 unter dem Titel 'Tron Legacy' in die Lichtspielhäuser kommen wird, einen ersten, ziemlich beeindruckenden, Teaser-Trailer veröffentlicht, in dem sich zwei Programme ein waghalsiges Rennen mit Lightcycles liefern. Jeff Bridges wird wie bereits im Original in der Rolle des Kevin Flinn zu sehen sein.
Zum direkten Vergleich findet ihr nachfolgend die Trailer des Originals von 1982 und der Neuauflage.
Er sah aus wie ein Alien und sang wie eine Primadonna - der aus Bayern stammende Countertenor Klaus Nomi. In den 70er Jahren wurde er durch seine schrillen Bühnenoutfits, dem grellweiß geschminkten Gesicht, vor allem aber aufgrund seiner unverwechselbare Stimme zur Ikone der New Yorker Unterwelt. Schon damals trug er neben schwarzlackierten Stiefeln und Glitzersamthose ein überdimensionales Pagengewand mit breiten Schultern aus Karton und eine schwarze Fliege. Eine respektable Hommage an die futuristisch anmutende Ästhetik des wohl exzentrischsten Paradiesvogels der New Yorker New Wave-Szene der 70er und 80er Jahre, ist derzeit in der aktuellen Ausgabe des l'Officiel Magazins zu bestaunen. Die Papierkreationen entstammen den russischen Designerinnen Alexandra Zaharova und Ilya Plotnikov.
Waren Riccardo Tiscis Entwürfe der Givenchy F/W 09/10 Kollektion düster, katholizistisch inspiriert und schienen eindeutig auf die Gothic-Kultur bezogen, so setzt der in London arbeitende Fotograf Leon Mark, die mit Schnürungen versehende Lederhose des jungen Avantgardisten in ein völlig neues Licht, indem wir sie auf seinen Bildern an den Beinen skatender Teenager sehen.
Aus irgendeinem Grund erinnert mich obiges Bild der beiden Fotografen Barrie Hullegie und Sabrina Bongiovanni an einen Film, den ich Ende der 90er aufgrund seines visuellen Höhepunktes, der in Blaulicht getauchten Vereinigung zweier Aliens in Alptraum-Ästhetik, verehrt habe. Die von HR Giger entworfene ausserirdische Schönheit, Sex, Blut, Schleim, Gewalt und nicht zuletzt die Präsenz des Ex-Models Natasha Henstridge als wohlgeformter Alien, machen 'Species' wohl heute noch zu einem cineastischen Hochgenuss.
Szene aus Gregg Akaris großem Finale seiner 'Teen Apokalypse', die von 'Totally F***ed Up' über 'The Doom Generation' zu 'Nowhere' führt.
Der sich auf der Suche nach Liebe befindende Dark Smith und seine Freunde, bereiten sich auf die größte Party des Jahres vor. Am Abend zuvor kämpfen sie sich durch einen Sumpf aus bizarren Ereignissen, bisexuellen Erfahrungen, Selbstmorden, Vergewaltigung, Alien-Entführungen und der Apokalypse.
Die wüste Parodie auf die Lügenwelt von TV-Serien wie 'Beverly Hills 90210' bewegt sich durchgehend auf dem Schmalen Grat zwischen genial-durchdacht und perversem Schwachsinn. Die Story ist im Grunde todesromantisch darauf aufgebaut, dass jeder im Leben bloß nach der einen Person sucht bei der man sich geborgen und sicher fühlt, mit der man alles teilen und jedes Geheimnis anvertrauen kann. Was sich zunächst romantisch anhört, ist jedoch derartig schrill und exsessiv in Szene gesetzt, dass 'Nowhere' sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird.
Man kann einfach nie genügend Bilder der Prada F/W 09/10Kollektion zeigen. Durchsichtige Stoffe, Nieten besetzte Budapester und Trenchcoats. Extravaganzen sind selten, die Stücke zeitlos und die Stoffe robust.